Ordnung halten: Warum dein Zuhause dabei eine entscheidende Rolle spielt

ordnung im kleiderschrank

*Bild inspiriert von meinem eigenen Kleiderschrank

Manche Menschen sind von Natur aus ordentlich. Sie räumen sofort hinter sich auf, lassen nichts liegen und haben immer Struktur in ihrem Alltag. Und dann gibt es Menschen wie mich: kreative Chaoten, bei denen zwar viel Energie und Ideen sprudeln, aber Ordnung oft auf der Strecke bleibt.

Dabei liebe ich Ordnung. Sie gibt mir Ruhe und Übersicht. Ordnung zu halten fällt vielen Menschen schwer. Oft beginnt man motiviert, räumt auf und wenige Tage später sieht alles wieder aus wie zuvor.

Bei meinen Kunden als Innenarchitektin im Raum Zürich zeigt sich immer wieder: Das Problem ist selten fehlende Disziplin, sondern eine Umgebung, die Ordnung nicht unterstützt.

Denn Ordnung ist kein einmaliger Zustand, sondern ein System und dieses System muss im Raum inetgriert sein.

In diesem Artikel erfährst du, wie Chaos entsteht, warum Ordnung ohne System nicht funktioniert und welche Methoden (von Marie Kondo bis hin zu kleinen Tricks für Gestresste) mir geholfen haben, endlich dauerhaft Struktur in meinen Alltag zu bringen.

Warum Chaos entsteht

Unordnung hat viele Ursachen. Zu wenig Stauraum, unklare Abläufe oder schlecht platzierte Funktionen führen dazu, dass Dinge keinen festen Platz haben und genau dort beginnt das Chaos.

Dann kommt dazu:

  • Haushalt mit kleinen Kindern – hier gehört Chaos zum Alltag, weil Kinder eben Kinder sind.
  • Zeitmangel und Stress – wenn es hektisch wird, reagieren wir nur noch und alles andere bleibt auf der Strecke.
  • Prokrastination – vor allem am Abend, wenn die Energie aufgebraucht ist, bleibt das Aufräumen gerne liegen.

Nicht zuletzt hängt Ordnung stark mit unseren täglichen Gewohnheiten zusammen. Gelingt es Ordnung in diese zu integrieren, geht es viel einfacher von der Hand. 

Warum wir keine Ordnung halten können

Wer langfristig Ordnung halten möchte, sollte nicht nur sein Verhalten hinterfragen, sondern auch die eigene Wohnsituation.

Eine durchdachte Raumstruktur kann Ordnung nicht nur erleichtern, sondern fast automatisch entstehen lassen.

Die Wahrheit ist simpel: Ohne System keine Ordnung.
Wer nur aufräumt, ohne feste Struktur, räumt immer wieder dasselbe weg. Dinge landen irgendwo, weil man nicht weiss, wohin sie eigentlich gehören. Und so entsteht Chaos von Neuem.

Ordnung braucht klare Regeln, feste Plätze und Systeme, die uns das Aufräumen erleichtern. Marie Kondo lehrt in ihren Büchern funktionale Systeme für allerlei Problemzonen, die als Inspiration dienen können. Ich selbst wende verschiedene Aspekte ihrer Ordnungssysteme an, kreiere aber auch gerne meine eigenen Systeme, angepasst auf meine Bedürfnisse.

Ordnung schaffen nach Marie Kondo

Die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo hat Millionen Menschen inspiriert, auch mich. Ihr System funktioniert, weil es einfach und klar ist. Ihre Prinzipien habe ich mit meinen Erfahrungen als Innenarchitektin verwoben:

Ordnen nach Kategorien

Im Prinzip teilt man alle Gegenstände Kategorien zu und verteilt diese auf den vorhandenen Stauraum. Am sinnvollsten arbeitet man hier mit einem Baumdiagramm, um sich zu orientieren und Kategorien sinnvoll einzuteilen.

Alles hat seinen festen Platz.

Wenn alltägliche Dinge keinen klaren Platz haben, müssen wir jedes Mal neu entscheiden, wo wir sie ablegen.

Diese ständigen Mikroentscheidungen kosten Energie und führen langfristig dazu, dass wir Dinge einfach irgendwo liegen lassen. Wird dieser Zustand dauerhaft, entsteht schnell ein Gefühl von Unruhe und Überforderung.

Gute Gestaltung reduziert genau diese Mikroentscheidungen.

Übersicht ist entscheidend

Man muss alles mit einem Blick erfassen können. Oftmals schauen wir in Schränke und können schlecht erfassen was in den oberen und unteren Regalen zu finden ist. In den unteren Schränken empfehle ich Auszüge. Diese kosten zwar mehr, sind es aber in jedem Fall wert. In den oberen Regalen werden die Kategorien in Boxen verstaut die vorne beschriftet sind, sodass sich deren Inhalt auf den ersten Blick erschliesst.

Weniger ist mehr

Nur behalten, was wirklich gebraucht oder geliebt wird. 

Beim ersten Mal wirkt das wie eine Mammutaufgabe. Wer sich dann ans Räumen, Ordnen und Ausmisten wagt, wird plötzlich Dinge wiederfinden, die er längst vergessen hat. Und genau das ist der Knackpunkt: Wenn ich nicht einmal weiss, dass ich etwas besitze, dann ist es höchste Zeit es loszulassen.

Die Kunst des Loslassens

Ein wesentlicher Schritt zur Ordnung ist das Aussortieren. Viele Menschen tun sich schwer damit, Dinge wegzugeben. Ich habe gelernt, dass es unglaublich befreiend ist.

Als ich von Deutschland in die Schweiz zog, nahm ich nur die Hälfte meiner Sachen mit. Als ich für über 3 Jahre nach Kalifornien ging, noch viel weniger. Weisst du, was passiert ist? Ich habe absolut und rein gar nichts vermisst.

Mein Tipp: Alles, was du beim Aufräumen findest und längst vergessen hast, darf gehen. Verschenke es, spende es oder entsorge es. Je weniger Dinge du besitzt, desto leichter wird es, ein funktionierendes System aufzubauen und Ordnung zu halten.

Die zweite Chance: Für Kleidungsstücke, die du nicht trägst, aber noch nicht aufgeben möchtest, kannst du eine Schonfrist einplanen. Platziere sie prominent und versehe sie mit Ablaufdatum. Wenn die Frist abgelaufen ist und die Kleider nach wie vor nicht getragen wurden heisst es: Ade.

Mein Kleiderschrank: Von Chaos zu Struktur

Früher war mein Kleiderschrank ein ständiger Kampf. Heute ist er jederzeit vorzeigbar und das liegt am Marie-Kondo-Faltsystem.

  • Kleidung liegt nicht mehr gestapelt, sondern aufrecht stehend in Schubladen, sodass ich alles sofort sehe.
  • Ich habe klare Kategorien: kurze Hosen, lange Hosen, Röcke, Sportkleidung, T-Shirts, Tops, Pullover, Loungewear.
  • Unterwäsche, Socken & Co. liegen in verschiedenen Körben. Blusen und Kleider hängen auf der Kleiderstange.

Das Beste: Das Falten geht schnell und macht mir mittlerweile sogar Freude, weil mich der Anblick meines noch immer aufgeräumten Kleiderschranks mit Stolz erfüllt.

Kreative Systeme für Gestresste: Der „Dumping Space“

Besonders mit kleinen Kindern oder im hektischen Alltag braucht es manchmal pragmatische Lösungen. Eine Idee, die ich selbst ausprobiert habe: der Dumping Space – ein definierter Ort, an dem Dinge erstmal „zwischengeparkt“ werden dürfen.

Zum Beispiel eine Truhe im Wohnzimmer (getarnt als Sitzgelegenheit oder Beistelltisch). Dort landet schnell alles, was gerade im Weg ist. Damit verschwindet das Chaos in stressigen Zeiten aus dem Sichtfeld und reduziert den akuten Stress enorm.

Wichtig: Ein wöchentlicher „Reset-Termin“, an dem der Dumping Space geleert wird.

Genau hier setzt ein bewusster Gestaltungsansatz an, bei dem Räume gezielt auf den Alltag abgestimmt werden.

Fazit: Ordnung braucht Systeme

Ordnungsliebe ist kein Charakterzug, sondern eine Frage der Struktur. Egal ob Stress, Kinder oder Prokrastination: Mit klaren Systemen wird Aufräumen einfacher und nachhaltiger.

Ordnung hat dabei nicht nur eine praktische Funktion, sondern beeinflusst auch direkt unser Wohlbefinden.

Heute ist mein Kleiderschrank so ordentlich, dass ich es selbst kaum glauben kann. Und das Beste daran: Es kostet mich weder Energie noch Zeit ihn so ordentlich beizubehalten.

Ordnung ist kein Ziel, das man einmal erreicht. Sie ist ein Ergebnis von funktionierenden Strukturen im Alltag.

Wenn dein Zuhause dich dabei nicht unterstützt, wird Ordnung immer anstrengend bleiben.

Ein gut gestalteter Raum nimmt dir Entscheidungen ab und schafft die Grundlage für mehr Ruhe, Klarheit und Leichtigkeit im Alltag.

Wenn du merkst, dass dein Zuhause dich eher überfordert als unterstützt, kann es sinnvoll sein, den Raum als Ganzes neu zu denken mit lisannco