Lichtplanung - Licht für Fokus, Ruhe und Schlaf

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Lange Zeit war es mir als Innenarchitektin in der Schweiz wichtig, dass alle Leuchtmittel in meinen Umbauprojekten eine einheitliche Farbtemperatur haben. Das war visuell einfach am schönsten. Aber Ästhetik allein reicht eben nicht. Licht beeinflusst weit mehr als nur die Atmosphäre eines Raumes. Es wirkt direkt auf unseren Körper. Und unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden im Alltag sind wichtiger als die optisch schönere Lichtfarbe, weshalb ein durchdachtes und intelligentes Beleuchtungskonzept unabdingbar sind. 

In diesem Artikel erfährst du, wie du in deiner Wohnung Licht so einsetzen kannst, dass es zu deinem Leben und deinem Rhythmus passt. Und am Schluss schauen wir uns noch an, wohin die Reise des Lichts in Zukunft gehen könnte.

Licht, Biorhythmus und Gesundheit

Unser innerer Taktgeber, der zirkadiane Rhythmus, orientiert sich vor allem an Helligkeit und Dunkelheit. Spezielle lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut (die sogenannten Ganglienzellen) melden dem Gehirn, ob es Tag oder Nacht ist. Und dies steuert unseren Schlaf, unsere Stimmung und Leistungsfähigkeit.

  • Morgens und tagsüber sorgt sehr helles und eher kurzwelliges Licht dafür, dass aktivierende Hormone wie Cortisol und stimmungsaufhellende Botenstoffe wie Serotonin ansteigen. Wir fühlen uns wach, fit und motiviert.
  • Mit der einsetzenden Dunkelheit, also dem Abnehmen des Lichts, steigt die Melatoninproduktion, unser «Schlafhormon», das den Körper auf Regeneration und Erholung einstellt und wir werden zunehmend müde.

Soweit die Basics. Für den Wohn- und Arbeitsalltag bedeutet das im Grunde: Je besser deine Beleuchtung in der Wohnung den natürlichen Tagesverlauf draussen imitiert, desto mehr unterstützt du deinen Biorhythmus. Und gerade im Winter «helfen» wir unserem Körper länger wach zu bleiben, durch den Einsatz von künstlichem Licht.

Lux, Kelvin, Lumen: Grundlagen der Lichtplanung

Um Licht besser zu verstehen, müssen wir uns noch ein paar Begriffe genauer anschauen:

  • Lumen (lm): Gibt an, wie viel Licht eine Lampe insgesamt abgibt – je mehr Lumen, desto «heller» wirkt die Lichtquelle.​
  • Lux (lx): Beschreibt, wie viel Licht tatsächlich auf einer Fläche ankommt, zum Beispiel auf dem Schreibtisch. Im Büro werden für konzentriertes Arbeiten häufig etwa 500 Lux empfohlen.​ (DIN EN 12464-1)
  • Kelvin (K): Gibt die Lichtfarbe an:
    • ca. 2 700–3 000 K: warmweiss, gemütlich, eher rötlich-gelblich
    • ca. 3 300–4 000 K: neutralweiss
    • ca. 5 000–6 500 K: tageslichtweiss, kühl, mit höherem Blauanteil.​
  • Farbwiedergabe (CRI/RA-Wert): Zeigt, wie naturgetreu Farben unter einer Lichtquelle wirken – je näher an 100, desto besser.

Als Laie sind einem diese Begriffe meist kaum geläufig. Leuchtmittel werden oft nach Wattzahl ausgewählt und vielleicht noch danach, ob sie als warmweiss oder neutralweiss beschrieben sind. Tatsächlich liefern jedoch Lumen, Lux, Kelvin und der CRI bzw. Ra Wert die entscheidenden Informationen über die Qualität des Lichts und darüber, ob es für eine bestimmte Anwendung geeignet ist.

Während Lumen, Kelvin und der CRI Wert in der Regel direkt auf dem Leuchtmittel angegeben sind, muss die Beleuchtungsstärke in Lux meist berechnet werden. Eine einfache Näherung lautet:

Lux = Lumen / m2 Raumfläche

Das bedeutet, verwende ich eine Lichtquelle mit 1000 Lumen in einem Raum mit 10 m2, ergibt sich eine Beleuchtungsstärke von etwa 100 Lux pro Quadratmeter. Für genauere Berechnungen spielen jedoch weitere Faktoren eine Rolle, etwa der Abstrahlwinkel der Leuchte, die Raumgeometrie sowie der Abstand zur beleuchteten Fläche. (simpler Rechner von led.de)

Für den Alltag hilft eine einfache Faustregel. Je höher die Lichtmenge in Lumen und je kühler beziehungsweise weisser die Lichtfarbe in Kelvin, desto aktivierender wirkt das Licht auf unseren zirkadianer Rhythmus. Umgekehrt gilt, je geringer die Helligkeit und je wärmer das Licht, desto eher unterstützt es Entspannung und Ruhe.

Diese vereinfachte Regel ersetzt zwar keine genaue lichttechnische Planung, bietet aber eine gute Orientierung für den bewussten Umgang mit Licht im Alltag.

Nachfolgend schauen wir uns zwei explizite Beispiele an.

Beleuchtung im Home Office: Licht für Fokus und Konzentration

Ein gut geplanter Arbeitsplatz fühlt sich leicht, klar und konzentriert an und genau das kann Licht bewirken.

1. Tageslicht nutzen:

Das beste Licht kommt aus der Natur. Ein Arbeitsplatz ohne Tageslicht ist keine gute Idee. Schreibtisch möglichst quer zum Fenster stellen, damit du seitliches Tageslicht hast, um Blendung und Spiegelungen im Bildschirm zu vermeiden.

2. Grundbeleuchtung

Deckenleuchte mit neutral- bis tageslichtweisser Lichtfarbe (ca. 3 500–5 000 K) und ausreichend Helligkeit (auf Lumen und Lux achten), damit der Raum insgesamt gleichmässig ausgeleuchtet ist.​

Ich persönlich bevorzuge grosse runde Flächenleuchten, wenn möglich noch mit indirektem Licht Richtung Decke. Die mikroprismatischen oder auch opalen Abdeckungen sind ideal um den Raum gleichmässig und weich auszuleuchten ohne harsche Schatten und Blendungen zu erzeugen. Solche Leuchten sind oft dimmbar und haben im Gegensatz zu normalen Leuchtmitteln mehrere tausend Lumen, was perfekt für einen Arbeitsplatz für Konzentration und Motivation ist.

3. Arbeitsplatzleuchte

Eine verstellbare Schreibtischlampe mit blendfreiem, gerichtetem Licht; vorzugsweise dimmbar und mit einstellbarer Farbtemperatur, sodass du je nach Tageszeit und Aufgabe wechseln kannst.​ Auf diese sollte man in keinem Fall verzichten.

So entsteht ein Arbeitsplatz, der die Augen schont, die Konzentration fördert und deinen natürlichen Rhythmus spiegelt. Weitere Tipps für ein effizientes Home Office Setup findest du in diesem Artikel: Home Office

Gutes Licht für Entspannung: Lichtplanung für Wohnzimmer und Schlafzimmer

Im Wohn- und Schlafbereich darf Licht weich, zoniert und stimmungsvoll sein, besonders ab dem späten Nachmittag, um die Weichen für erholsamen Schlaf zu stellen.

WOHNZIMMER

  • Eine eher dezente Grundbeleuchtung für den Tag, z.B. eingebaute Deckenspots (3000 K).
  • Mehrere kleine Lichtquellen wie Stehleuchte, Tischleuchte oder indirekte LED-Beleuchtung für einzelne Zonen und Szenarien (Leseecke, Sofa,…) und entsprechende Farbtemperaturen (ca. 2700-3000K)
  • Möglichst dimmbare Lichtquellen wählen, um am Abend die Helligkeit nach und nach zu reduzieren.

SCHLAFZIMMER

  • Keine sehr hellen, kaltweissen Deckenstrahler. Besser sind gedämpfte, warmweisse Leuchten im Bettbereich
  • Nachttischleuchten mit warmem, indirektem Licht für Lesen ohne grelle Kontraste.
  • Im Bereich der Kleiderschränke können gerichtete Spots mit mehr Lumen und  3000K zum Einsatz kommen, sollten jedoch separat vom Hauptlicht im Raum geschaltet werden können
  • Idealerweise ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen Lichtintensität reduzieren, das unterstützt die Melatoninproduktion und erleichtert das Einschlafen. Also möglichst auch auf grelle Smartphone Bildschirme verzichten.

Bewusst eingesetztes, warmes Abendlicht signalisiert deinem Körper: Gang rausnehmen, runterfahren, regenerieren.

Wenn du noch Tipps brauchst, zum Thema Lichtplanung in der Küche, wirst du in diesem Artikel fündig: Küchenplanung

Tipps & Tricks für alltagstaugliche Lichtplanung

Unsere Lebensräume dienen selten nur einem bestimmten Zweck. Sie sind oft genauso vielschichtig wie wir selbst. Damit das Licht für alle diese Zwecke funktioniert, hier ein paar Tipps und Tricks für eine intelligente Lichtplanung.

Human Centric Lighting: HCL ist ein Designansatz, der mithilfe von anpassbarer LED-Technologie den natürlichen Tageslichtzyklus nachahmt. Sogenannte Tunable White-Leuchtmittel gibt es mittlerweile von zahlreichen Anbietern und teilweise schon sehr kostengünstig. Sie erlauben, von kühlerem Arbeitslicht tagsüber auf warmes Abendlicht umzuschalten, oft direkt über eine App.

Smarte Steuerungen: Zeitprogramme und Automationen für verschiedene Szenarien können automatisch für helleres, kühleres Licht am Morgen und wärmeres, gedimmtes Licht am Abend sorgen. Entweder mit tunable White Leuchtmittel oder mit dem Ansteuern verschiedener Leuchten mit unterschiedlichen Farbtemperaturen. Auch dies ist heute mit wenigen Tools zu bewerkstelligen. Natürlich muss man sich am Anfang die Mühe geben und alles einstellen und dann noch feinjustieren, aber der Mehrwert für das Wohlbefinden in den eigenen 4 Wänden ist diesen Aufwand allemal wert.

Mehrere Lichtquellen statt einer einzigen: Kein Raum sollte nur eine einzige Lichtquelle haben, auch in der Natur kommt das Licht von überall her. Kombination aus Grundlicht, Zonenlicht und Akzentlicht schafft Tiefe, Gemütlichkeit und gleichzeitig funktionale Helligkeit, je nach Bedarf.

Technik realistisch wählen: Auf genügend Lumen, passende Kelvinwerte und einen guten Farbwiedergabeindex achten. Lieber etwas mehr Helligkeit plus Dimmer als dauerhaft zu dunklen Räumen.

Gerade die Kombination der beiden ersten Aspekte HCL und Smarte Steuerungen kann auch ästhetisch überzeugen, da wir Szenarien und Räume gezielt und aufeinander abgestimmt einstellen können.

Das Licht der Zukunft – melanopische Lux

Unsere retinalen Ganglienzellen sind besonders empfindlich im Bereich von etwa 480 nm, also im blauen Spektrum. Licht in diesem Wellenlängenbereich hat daher einen besonders starken Einfluss auf unsere biologische Uhr. Aus diesem Grund setzen wir an Arbeitsplätzen eher kühles, blauhaltiges Licht ein, während am Abend warmes Licht bevorzugt wird, das weniger stark in diesen Mechanismus eingreift und Entspannung fördert.

Wie genau Licht auf unseren Körper wirkt, lässt sich heute zunehmend präzise messen, mithilfe der sogenannten melanopischen Lux (genauer: melanopische Äquivalent-Tageslichtbeleuchtungsstärke, mEDI). Diese Grösse beschreibt nicht die Helligkeit im klassischen Sinne, sondern die biologische Wirksamkeit von Licht auf das Melanopsin, ein Protein das in Ganglienzellen eine zentrale Rolle für unseren zirkadianer Rhythmus spielt.

Damit steht erstmals eine Messgrösse zur Verfügung, die nicht nur visuelle, sondern auch physiologische Effekte von Licht abbildet. Aktuell wird sie vor allem in grösseren Architektur- und Beleuchtungsprojekten eingesetzt, etwa im Rahmen von Zertifizierungen wie dem WELL Building Standard, da die Berechnung und Planung noch vergleichsweise aufwändig ist.

Es ist jedoch absehbar, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern wird. Mit zunehmender Standardisierung und technologischer Entwicklung könnten melanopische Kennwerte künftig auch in Produkten für den Endverbraucher Einzug halten.

Für Residential Design wäre das ein enormer Fortschritt. Anstelle von Farbtemperaturen, die lediglich grobe Hinweise auf die Wirkung von Licht geben, stünde dann eine echte, physiologisch relevante Messgrösse zur Verfügung. So könnten Räume nicht nur visuell harmonisch gestaltet, sondern gezielt auf das menschliche Wohlbefinden abgestimmt werden, durch eine Lichtplanung, die sowohl ästhetische als auch biologische Bedürfnisse berücksichtigt.

Fazit: Licht ist mehr als «hell genug»

Licht sorgt nicht nur dafür, dass wir sehen können, es taktet auch unseren Biorhythmus und beeinflusst unsere Hormone.

Ob Homeoffice, Sofaabend oder Schlafzimmer, das Licht bestimmt, wie wach, konzentriert oder entspannt wir uns fühlen. Mit der richtigen Beleuchtung und der richtigen Lichtfarbe kannst du deinen Alltag nicht nur schöner, sondern auch gesünder gestalten.

Gerne helfe ich dir dabei ein massgeschneidertes Beleuchtungskonzept für dich zu entwickeln. Ich unterstütze dich auch in anderen Bereichen rund um das Thema Residential Design

FAQ Lichtplanung

Wie viel Lux sollte ein Arbeitsplatz im Homeoffice haben?

Deine Arbeitsfläche sollte in der Regel 500 Lux aufweisen. Eine Grundbeleuchtung an der Decke, sowie eine Tischleuchte reichen in der Regel aus, jedoch sollte unbedingt auch auf ausreichendes Tageslicht geachtet werden. Die Tischleuchte sollte verstellbar sein, um Blendung zu vermeiden und vor allem tagsüber, ist ein neutrales oder kühleres Licht (>4000K) förderlich für die Konzentration.

Welche Lichtfarbe ist am besten für konzentriertes Arbeiten?

Tagsüber sind vor allem tageslichtweisse Lichtfarben (ca. 5000 Kelvin) am besten für Konzentration und Energie. Dieses Licht wirkt aktivierend und hilft uns wach und motiviert zu bleiben.

Welche Lichtfarbe ist am Abend sinnvoll?

Am Abend sollte man den Blaulichtanteil reduzieren, um die körpereigene Melatonin Produktion zu unterstützten. Warme Lichtfarben bis max. 3000 Kelvin bieten sich hier an. Achte auch darauf die Helligkeit deiner Bildschirme von TV und Smartphone am Abend zu reduzieren oder verzichte ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen auf diese Geräte.

Ist eine einzige Deckenleuchte ausreichend?

In den meisten Fällen eher nicht, ausser es handelt sich um einen Abstellraum. Eine einzelne Lichtquelle erzeugt flaches und ungemütliches Licht und führt oft zu harschen Schatten. Besser ist eine Kombination aus Deckenleuchte und Steh- sowie Tischleuchten oder einer indirekten LED Beleuchtung.

Kann ein Beleuchtungskonzept auch nachträglich in bestehenden Wohnungen verbessert werden?

Ja, auch nachträglich und ohne grosse Umbaumassnahmen kann man das Licht deutlich verbessern. Durch Anpassungen der Leuchtmittel und das Einsetzen zusätzlicher Leuchten können Räume in ihrer Atmosphäre grundlegend verändert werden. Ein professioneller Partner kann dir helfen deine Räume angenehmer und funktionaler zu machen.

Was braucht man für eine gute Lichtplanung?

Um eine gute Lichtplanung zu erarbeiten, braucht es ein ganzheitliches Verständnis über die Nutzung der Räume und die Bedürfnisse der Bewohner, sowie gute Kenntnisse über die Eigenschaften von Licht.

Als Laie kann man sich dies erarbeiten, wenn man die Zeit und den Willen hat. Einfacher, schneller und professioneller geht das natürlich mit einer Fachperson. lisannco kann dir ein massgeschneidertes Lichtkonzept passend zu deinen Bedürfnissen erstellen.

Wann lohnt sich eine professionelle Lichtplanung?

Eine professionelle Lichtplanung lohnt sich immer, da Licht einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat.

Idealerweise findet eine Lichtplanung bei Umbauten, Renovationen oder Neubauten statt und integriert diese früh im Planungsprozess. Aber auch in bestehenden Räumlichkeiten und ohne grosse Umbaumassnahmen kann eine professionelle Lichtplanung die Wahrnehmung der Räume erheblich verbessern. lisannco ist Umbau Spezialist und hilft dir gerne weiter.

Was kostet eine professionelle Lichtplanung?

Da der Umfang sehr stark variiert, kann man das pauschal kaum sagen. lisannco rechnet alle Leistungen der Innenarchitektur mit dem gleichen Stundensatz ab und legt diese den Kunden jederzeit transparent offen. Gerne erstelle ich dir eine unverbindliche Offerte.